Zu wenig ausgearbeitet, um ein Essay zu sein und viel zu sehr interessiert an Kleinigkeiten, um als Kritik durchzugehen: Treibgut ist das, was an einem so hängen bleibt, wenn man im Bilderstrom badet.

Gestern Abend habe ich einen sehr albernen Film gesehen, und ich habe herzlich gelacht dabei. Ich saß in der Pressevorführung von „22 Jump Street“, Beginn war gegen 18.30 Uhr, da haben auch Kollegen Zeit, die tagsüber in Redaktionen der, drücken wir’s mal neutral aus, Verwertungskette sitzen. Das bedeutet: Dieses spezifische PV-Publikum muss sich nicht bemühen, jedes Kichern mit den internalisierten Mitteln der Ideologiekritik zu unterdrücken, nein, da wird fesch losgeprustet. Kann schon erfrischend sein.

Dies heißt freilich nicht, dass „22 Jump Street“ nicht homophob oder sexistisch wäre – der Film ist beides desto deutlicher, je stärker er versucht, das Gegenteil zu behaupten. Die zentrale Struktur des Humors aber ist eine andere, eine, die sich – Vorsicht, Philosophie und 100 Jahre alt – mit Henri Bergsons Definition des Lachens erklären lässt. Es geht in der Geschichte grundsätzlich nicht um Drogenfahndung oder um einen spezifischen Kriminalfall, sondern wesentlich um die zwischenmenschliche Dynamik der beiden Ermittler, gespielt von Channing Tatum und Jonah Hill.

 

 

Die beiden gehen undercover aufs College und geben sich dort als Brüder aus, was schon einmal für einen von vielen Lachern sorgt, die auf Hills Kosten gehen. Der große, muskulöse beinahe schon modellhafte (das heißt auch: irgendwie gesichtslose) Schönling Tatum und der moppelige Hill, die sollen verwandt sein? Hihihi. Sobald es um körperliche Aktion geht, gelingt diesem Tatum natürlich alles und Hill scheitert regelmäßig daran.

Bergson jedenfalls meinte sinngemäß: Die Entlarvung des gedankenlosen Mechanischen, der bloßen Routine in unseren Handlungen bildet den Kern des Komischen. (Eine gute Zusammenfassung bietet z.B. Lorenz Engells Vorlesung zum „Lustigen Film“). Die Anpassung, das Geschmeidige, das auf die wechselnden Bedingungen seiner Umwelt reagiert, das ist Tatum: Der überspringt mühelos im Salto Bierbüchsenpyramiden als Aufnahmeritual in eine Studentenverbindung, und an deren Wohnheimfassade klettert er so behände wie mühelos hinauf.

Die scheiternde Routine verkörpert Hill: Frontal kracht er in die Bierbüchsenpyramide, schön ausgewälzt in Zeitlupe, und während Tatums rasante Erklimmung der Hausfassade von treibendem Agentenfilmsound untermalt ist, hört man, wenn Hill kontrastierend dagegen montiert ist, nur das Surren der Seilwinde, von der er sich in diesmal eher unfreiwilliger Zeitlupe nach oben ziehen lässt.

Partyleichen in der Morgendämmerung

Das alles ist so konfrontativ und holzhammerhaft, dass es bisweilen ein wenig öde wirkt. Viel zarter und kaum weniger witzig wirkt eine andere Szene, eine minimal variierte Einstellung, so etwas wie ein visueller Running Gag: Zwei Mal schluft Hill durch die leicht vernebelte Morgendämmerung über den Campus nach Hause, die Stimmung ist bedeckt, beide Male ist er irgendwie abgeblitzt. Alles ist still, erschöpft, unsortiert, die Menschen sind blass, und die Studentinnen haben ihre High Heels, auf denen sie durch die letzte Nacht noch geschwebt sind, nun abgenommen, um bequemer aufs (eigene) Zimmer zu kommen. So wie Hill seine megahohen und breiten Sneaker.

Unbedachte Routine, eben, abgeschaut, nicht hinterfragt. Aber sie ist nicht ausgestellt, nicht durch eine Veränderung der Einstellungsgröße oder Montage akzentuiert, nicht heraus posaunt. Man könnte sagen: Das ist würdevoller Humor. Was wiederum nicht heißen soll, dieser wäre immer und ausnahmslos der bessere – hier aber schon.